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ECHOFELDER |
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Das Musiktheaterprojekt, welches Elemente von Hörspiel, Lied und Oper in sich vereinigt, ist eine Fortsetzung der künstlerischen Zusammenarbeit von Birthe Bendixen und Christoph Grund. Die bisherigen Stationen unserer künstlerischen Kooperation waren VOEGELEI, SING SANG und SING & REMEMBER, sowie die Realisierung von Musik zu zahlreichen Hörspielen. In dem bisher angelegten Werk werden Aspekte der menschlichen Stimme thematisiert und die mannigfaltigen Möglichkeiten ausgelotet, die nach unserem Musikverständnis zu einem Gesang der Gegenwart führen. Die Frage der Identität als Selbstheit, die gender-bezogene Metamorphose der Geschlechter steht in der gegenwärtigen Philosophie und in den Kulturwissenschaften zur Diskussion. Dabei wird die Geschlechterbeziehung in ihrer ontologischen und existenziellen Verfasstheit in Frage gestellt. Speziell einem Aufsatz von Gayatari Chakravorty Spivak über Echo verdankt unser Werk wesentliche Impulse. „Echofelder“ spürt auf eine nicht narrative Weise den Wesenskern der Geschlechterspannung und die immanente Bezogenheit der Geschlechter zueinander in einer künstlerischen Form auf. Die solipsistische Unbezogenheit der Geschlechter findet ihre musikalische Zuspitzung im Echo als ferner Stimme, die Selbstferne der Frau symbolisierend, die für den Mann gerade zur Verlockung wird. Die Komposition von Resonanzstimmen und Echostimmen wird von einem entleiblichten Instrument ausgeführt, dem Keyboard, welches über Lautsprecher im Raum und ausserhalb des Raumes aus der Ferne, erklingt. Resonanzen und ferne Echos von klassischen Liedern bilden einen Gedächtnis-Raum, der als Hörraum vieldimensional gestaltet ist. Stellvertretend für diese Liedebene wird am Ende des ersten Teils „Soupir“ von Henri Duparc zitiert, das Liederinnerungsfeld durchwandernd. Den Part des Narziss übernimmt das Klavier in Form von repetitiven, rhythmisch zugespitzten Passagen, die ins Leere laufen und sich verlieren in einer destruktiven Gegenbewegung, die ihre Immanenz aus der musikalischen Dichte gewinnt. Hier waltet Ohnmacht und Gewalt, Sentimentalität und Penetranz, als Gestalten des Uneigentlichen, des Verlorenen. In diesem Widerspruchsfeld nähert sich live im Raum die Stimme, diesmal eine gespannte, von einer gleichsam metallischen Kraft des Begehrens beseelte Stimme, eine gerechte, aufgeregte Stimme, aus vollem Leib, aus voller Kehle, Anwesenheit tragend und einfordernd. Ein Überschiessendes, das sich durch keine Zensur oder Inszenierung domestizieren lässt. Diese zwingt auch die Gesamtkomposition dazu, dass Spielräume der Freiheit und der Bezogenheit in dem Spannungsfeld des Imaginären und des Realen zu einem Wirklichkeitsmoment gefügt werden. Weil erfahrungsgemäss in jedem Ton der Stimme die Brüchigkeit und Anstrengung mithallt, worin sich Widerstände gegen die Dressur abzeichnen, wird die Stimme eine zugespitzte Realisierungszone der Leiblichkeit und dies auf eine performativ vielblättrige Weise, wodurch die Zeit leibhaftig getragen wird. In ihr erscheint die Wiederbelebung und Erinnerungsspur vergangener Affekte in der Gegenwart und dient als Referenzpunkt für die Instrumentation. Nach unserer Erfahrung kann so Körper (Leib) zur Musik zurückkehren und Instrumentation wird nicht Begleitung sondern funktioniert als das Andere der Stimme. Die Antinomien der narzistischen Extreme in Gestalten des rhythmisch Akzentuierten und des Virtuosen im Klavierspiel einerseits und der Selbstferne in den Resonanz- und Echostimmen andererseits bereiten das Feld der inneren Notwendigkeit für eine Metrik der Angemessenheit, von der die melodischen Passagen getragen werden. Die Frage, welche in Ovids Metamorphosen Narziss an Echo stellt: May I die before I give you power o´er me? Haben wir in die Textebene übernommen. Echo könnte antworten: I give you power o´er me! Die Textebene enthält darüber hinaus Fragmente von Liedtexten, Auszüge aus einem Sonett von Shakespeare, aus Texten von Kiki Smith´s Silent Work und ein Lautgedicht aus der Sammlung Prinzhorn, welches wir dem von Inge Jadi herausgegeben Buch: „Leb wohl sagt mein Genie, Ordugele muß sein“ entnommen haben. Umwandlungs- und Verwandlungsmöglichkeiten, die der Mythos nicht enthält, zu denen er uns aber anregt, sind der Horizont, zu dem wir mit dem Musiktheaterprojekt „Echo & Narziss“ aufbrechen. Hier lässt sich etwas weiter realisieren, das wir in unserer erfolgreichen Zusammenarbeit bereits mehrfach umsetzen konnten.
Elisabeth F. (um 1917) aus Leb wohl sagt mein Genie, Ordugele muß sein,Texte aus der Sammlung Prinzhorn, Hrsg. Inge Jadi
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me nu ra wo fieh mo seh, e tura lemo tuiny, E mo nie fir re, es wo nie
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long wemo ralio tenz es lamia ist esmo ting und we auf mir luft segen,
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Texte der Liedfragemente, welche im Werk „Echofelder“ zitiert werden Oh dear angelic time go on I´ll try to imitate your going L´Invitation au Voyage Einlebung Mein Kind Aimer et mourir Träume Sinn umfangen Schäume Blühen Verglühen Too soon Tommorrow is here I wait Die Ruh O füll dies Augenzelt In Hall und Widerhall Geht tief in Sinnen Und weiß nicht, was beginnen Wie brenn ich Wonne Ich ende Ich glühe Schönes Kind Enthülle Phantasie Rove (Wandern) Impart (vermitteln) Bliss (Wonne) Y quien melodió á entender Es schneidt so weh und tief Und höre klingen Ihr silbern Lachen Ouvir les bras Toujours l´aimer Padam … Padam … Cet air qui sait tout par cœur Padam … Comme si tout mon passé défilait Padam … I bring thee a song Dark mother The theme The he for me I´ll do my best And though it seems absurd Seul le reflet profond des choses Remember me Erinnerung Lieder wecken Liebe Liebe weckt die Lieder Maybe this time Le choeur des petites voix Cette âme qui se lamente Ich gehe nicht schnell Eile nicht Dimenticare se (sich vergessen) Rideremo (wir werden lachen) Ritorno (ich werde zurückkehren) Après un rêve Ta voix pure et sonore
Kiki Smith aus: silent work
I can´t sleep what does it mean to show your spine flesh
Shakespeare, Sonett 115
Those lines that I before have writ to lie, Even those that said I could not love you dearer: Yet then my judgment knew no reaon why My most full flame should afterwards burn clearer. But reckoning Time, whose million´d caccidents Creep in ´twixt vows, and change derees of kings, Tan sacred beauty, blunt the sharp´st intents, Divert strong minds to the course of altering things, - Alas! Why, fearing of Time´s tyranny, Might I not then say, “Now O love you best”, When I was certain o´er incertainty, Crowning the presenet, doubting of the rest?
Love is a babe: then might I not say so, To give full growth to that which still doth grow.
Sully Prudhomme: Soupir, Lied von Henri Duparc)
Ne jamais la voir ni l´entendre Ne jamais tout haut la nommer, Mais, fidèle, toujours l´attendre, toujours l´aimer. Ouvrir les bras, et, las d´attendre, Sur le néant les refermer, Mais encor, toujours les lui tendre toujours l´aimer. Ah ! ne pouvoir que les lui tendre, Et dans les pleurs se consumer, Mais ces pleurs toujours les répandre Toujours l´aimer … Ne jamais la voir ni l´entendre, Ne jamais tout haus la nommer, Mais d´un amour toujours plus tendre, Toujours l´aimer. Toujours !
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